Leibniz oder Die Einsamkeit der Monaden

Novelle

Originalveröffentlichung

Gebunden, 168 Seiten

Erscheint im August 2026

n. a.

22,00 

Ein feinfühliges und kenntnisreiches Porträt des großen Universalgelehrten Leibniz in seinen letzten Lebensjahren

Hannover, 1714. Gottfried Wilhelm Leibniz hadert mit der Order seines Landesherrn, des Königs von England, das Reisen zu unterlassen und ein ungeliebtes Auftragswerk endlich fertigzustellen. Eigentlich hatte der umtriebige Gelehrte gehofft, an einen der großen europäischen Höfe berufen zu werden, doch seine wichtigsten Unterstützerinnen, Kurfürstin Sophie und Königin Sophie Charlotte, leben bereits nicht mehr. So ist er zurückgeworfen auf seine nachlassenden Körperkräfte und die verrinnende Zeit, die ihm für seine zahlreichen Vorhaben noch bleibt. Auch die Rechenmaschine, deren Planung ihn zeitlebens begleitet hat, will einfach nicht fertig werden. Als Zar Peter der Große seinen Besuch ankündigt, wittert Leibniz die Chance, doch noch Berater eines Fürsten zu werden …
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) war einer der größten Universalgelehrten, er erfand u.a. die Infinitesimalrechnung und das binäre System, aber auch praktische Vorrichtungen, um den Alltag bequemer zu machen. Gott und die Vernunft galten ihm nicht als Gegensätze, und auch Geist und Körper bedingen einander – aus den kleinsten unteilbaren Einheiten, den Monaden, erwächst das Materielle. Er war zeitlebens unverheiratet und höfischen Vergnügungen abgeneigt, süßem Konfekt und Kaffee aber durchaus zugetan.
Zu einem der wichtigsten Wegbereiter der Aufklärung geworden und dennoch abhängig von der Gunst der Fürstenhäuser, lehnt sich der alternde Gelehrte auf gegen die Angst vor der eigenen Vergeblichkeit.

Buchinfos

Gebunden, 168 Seiten

Autor

Franz-Maria Sonner © Lucy Mikyna

Franz-Maria Sonner (*1953) schreibt Hörspiele und Romane und ist Träger des Glauser-Preises. In der Edition Nautilus hat er unter seinem Pseudonym Max Bronski die Kriminalromane Halder, Urs der Berserker und Die Josephsbrüder veröffentlicht. 2024 erschien die Novelle Gregor Mendel begegnet dem Schicksal. Franz-Maria Sonner lebt in Hannover.

Leseprobe

Als er die Augen öffnete, befand er sich nicht mehr im Inneren einer einzelnen Monade, sondern wurde eine unter vielen. Ein Schwarm war um ihn, eine dunkle Wolke von Vögeln, deren Flugrichtung so aufeinander abgestimmt war, dass ein jeder wusste, wie er sich zu verhalten hatte, und keiner dem anderen im Weg war. Beide Perspektiven verschränkten sich, die innerhalb des Schwarms und eine, die ihm von außen zusah. Von dort waren die Vögel, die eng nebeneinander flogen, unschwer als so genannte Schwarze Sonne zu erkennen, die sich walzenförmig zusammenballte, nach vorne schoss, sich dann plötzlich aufbäumte und nach oben strebte, sich danach aber wieder ebenso rasch zurückwendete, als sollte ein Knoten geknüpft werden, dabei kurzzeitig ein Alpha zeichnete und es zum Omega auflöste, um sich schließlich wie ein Tuch nach allen Seiten hin zu verbreiten. Solche Figuren konnten nur entstehen, weil sie viele, fast zahllose waren, aber das Eigentümliche blieb, dass ein jedes doch ganz für sich allein seinen Platz in der Menge einnahm, ohne den Flug der anderen zu behindern. Endlich erwachte Leibniz, zog sein Nachtgewand zurecht und dachte über den Traum nach.

Pressestimmen

»Es ist vor allem eine Geschichte von Scheitern und Scham, die Sonner erzählt – in fein gedrechselter, atmosphärisch dichter Sprache.« Antje Weber, Süddeutsche Zeitung, über Gregor Mendel begegnet dem Schicksal

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Franz-Maria Sonner © Lucy Mikyna

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