Dass ich dich besser fressen kann

Rotkäppchen revisited

Nautilus Flugschrift

Aus dem Französischen von Nadine Püschel

Deutsche Erstausgabe

Broschur, mit S/W-Abbildungen, 136 Seiten

ca. € 18,00

ISBN 978-3-96054-508-8

Erscheint im September 2026

n. a.

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So sprachwitzig wie radikal: Lucile Novat bringt das Märchen vom Rotkäppchen in die Realität – was, wenn die eigentliche Gefahr gar nicht draußen im Wald lauert?

Aus dem Märchen vom Rotkäppchen haben wir vor allem die Warnung vor dem bösen Wolf, dem unbekannten Fremden aus dem Wald übernommen und die Vorstellung verinnerlicht, dass die Gefahr draußen lauert. Dabei haben sich Charles Perrault in Frankreich und die Brüder Grimm in Deutschland große Mühe gegeben, im Text Hinweise wie Kieselsteine zu verstreuen, um uns auf den rechten Weg zu führen. Doch etwas in uns wehrte sich, eine kollektive Verleugnung, und so besiegelten wir die Fehlinterpretation und verschlossen die Türen unserer Häuser.
Spulen wir also zurück: Warum ist diese Großmutter so »verrückt« nach ihrer Enkelin? Warum verrät das Kind dem Wolf so bereitwillig deren Adresse? Was könnte der Grund dafür sein, auf dem Weg herumzutrödeln und die Ankunft bei der Großmutter hinauszuzögern? Ist wirklich der Wald gefährlich und das Haus sicher? Und vor allem: Wer versteckt sich unter der Decke? Ein als Oma verkleideter Wolf – echt jetzt?!
Durch ein Netzwerk von Geschichten, in denen auf verschlungenen Waldwegen Sigmund Freud, Virginia Woolf, Neige Sinno und David Lynch ebenso wie unausgesprochene Wahrheiten ihrer eigenen Familiengeschichte auftauchen, seziert Lucile Novat das Märchen und zeigt: die größte Gefahr für Kinder lauert im Haus, in der Familie.

Im Anhang des Buches können sich die Leser*innen selbst durch einen Märchenplot spielen und erleben, wie es ist, nicht mehr aus dem Wald zu finden.

Gespräch mit Lucile Novat

Buchinfos

Broschur, 136 Seiten, ca. € 18,00

Autorin und Übersetzerin

Lucile Novat © Charlotte Krebs

Lucile Novat lebt in Paris und unterrichtet Literatur an einer Mittelschule in Seine-Saint-Denis. Dass ich dich besser fressen kann ist ihr erstes Buch. In Frankreich verkaufte es sich über 10.000 Mal und stand wochenlang in den Top Ten der meistverkauften Essays. Im März 2026 erschien in Frankreich ihr erster Roman, Voir venir, der für den Prix Goncourt du Premier roman nominiert ist.

Nadine Püschel, geboren in Starnberg, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf und lebt als Übersetzerin für englische und französischsprachige Literatur und audiovisuelle Medien in Berlin. Sie übersetzte u.a. Jean Malaquais’ Roman Planet ohne Visum (Edition Nautilus 2022). Für die Übersetzung von Dass ich dich besser fressen kann erhielt sie ein Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds.

Leseprobe

Vielleicht trödelt Rotkäppchen unterwegs ein bisschen, nicht weil sie gern Nüsse sammelt, sondern weil sie sich bei der Verwandtschaft zu Hause nicht so recht wohlfühlt. Oder habt ihr mitbekommen, dass sie bei dem Vorschlag, die Großmutter zu besuchen, Freudensprünge vollführt hätte? Was hört sie, das wir in den Anweisungen ihrer Mutter überlesen? »Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergiss nicht guten Morgen zu sagen und guck nicht erst in allen Ecken herum …«
Keller und Ecken gibt es eben nicht nur bei Fremden. Case in point: Josef Fritzl. Ups, hier ist das Monster der Vater. Eine Frage: Zu dieser Skandalgeschichte wurde literweise Tinte vergossen, genauso wie zu den Fällen Dutroux und Kampusch, aber hat man daraus ebenfalls eine Warnung abgeleitet? Hat man von da an gesagt: »Nehmt euch in acht, passt gut auf, was euch diese Geschichte lehrt, es gibt Väter, die ihre eigene Tochter schwängern, sie tun es zu Hause, hinter einer Tür, und die Mütter verschließen die Augen davor, sie hinterfragen die Tür nicht, sie öffnen sie nicht, achtzehn Jahre lang rühren sie den Riegel nicht an, holen sich nicht den Schlüsselbund, wenn ihr Mann aus dem Haus ist, stellen keine Frage, schlafen den Schlaf des Gerechten; kennt ihr eure Väter, eure Onkel wirklich? Schlaft nicht, macht die Augen auf, macht die Türen auf.«
Nein, das hat man nicht getan.

Pressestimmen

»Ein brillanter Essay.« Les Inrockuptibles

»Weg mit der Parabel, die vor den Gefahren der Außenwelt warnt, wo die Raubtiere lauern.« Le Monde diplomatique

»In diesem hybriden Essay verbindet Lucile Novat literarische Untersuchung mit persönlicher Geschichte, legt so die Tiefenschichten des Märchens frei und klärt ein grundsätzliches Missverständnis auf. So wird eine gänzlich andere Botschaft hörbar.« Actualitté

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Lucile-Novat-2-c-Hugo-Paturel

Novat_Lucile©Charlotte-Krebs