Lob der Überwachung

Für eine kollektive Datenpolitik

Nautilus Flugschrift

Originalveröffentlichung

Mit 10 Illustrationen von Susann Kim-Massute

Broschur, 168 Seiten

Erscheint März 2026

n. a.

18,00 

Am Überwachungskapitalismus ist nicht die Überwachung das Problem, sondern der Kapitalismus: für eine positive Überwachungspolitik!

Überwachung und Datenerfassung genießen keinen guten Ruf. Ob durch staatliche Akteure oder Digitalunternehmen – sobald Informationen über uns gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden, denkt man schnell an das Angstregime der Stasi, autoritäre Überwachungsdystopien, die Allmacht der Tech-Konzerne.
Auch auf der Linken haben wir Datenschutz und Privatsphäre hochgehalten, eine strenge Regulierung der Konzerne gefordert und »Meine Daten gehören mir!« gerufen. Doch privacy und Datenschutz sind bürgerliche Kategorien, die letztlich ein Privateigentum im Digitalen konstituieren. Statt uns die Potentiale des digitalen Wandels für ein radikal solidarisches Projekt anzueignen, sind wir in die Falle einer konservativen Kritik und der Vorstellung einzelner isolierter Datenbesitzer:innen getappt.
Timo Daum fordert stattdessen, Überwachung positiv zu denken – als Produktivkraft, als Form der Sorge, als Möglichkeit guten Regierens. Denn Überwachung kann auch bedeuten, Vermieter und Eigentümer an Preistreiberei zu hindern, Raser im Straßenverkehr auszumachen, Finanz- und Steuerverbrechen aufzudecken – oder den Grundstein für ein postkapitalistisches, bedarfsorientiertes Wirtschaften zu legen.

Von einem Lob der Überwachung zu sprechen, ist keine geschichtsvergessene Romantisierung autoritärer Systeme, sondern der Versuch, uns die technischen Möglichkeiten, die der Überwachungskapitalismus geschaffen hat, für eine Zukunft ohne Kapitalismus anzueignen.

Inhalt »Lob der Überwachung«

Buchinfos

Broschur, 168 Seiten

Autor

Timo Daum © Michelle Lischke

Timo Daum ist Universitätsdozent und Autor. Zuletzt lehrte er am Fachbereich Politikwissenschaft der Universität Wien »Politische Ökonomie der Daten«. Er ist Dissertationsstipendiat der Rosa Luxemburg Stiftung. Sein Buch Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie erhielt den Preis Das politische Buch 2018 der Friedrich-Ebert-Stiftung. 2019 und 2020 erschienen Die künstliche Intelligenz des Kapitals und Agiler Kapitalismus, zuletzt Big Data China (Mandelbaum 2023). Timo Daum lebt in Wien und Berlin.

Veranstaltungen

Leipzig
Donnerstag, 19. März, 19 Uhr

Buchvorstellung und Gespräch
Veranstaltungsort: linXXnet, Brandstraße 15

Leipzig
Freitag, 20. März, 11.30 Uhr

Buchvorstellung auf der Leipziger Buchmesse
Veranstaltungsort: Halle 5, Forum Sachbuch: Kontexte

Leseprobe

Überwachung kommt von oben – was also ist »Unterwachung«? Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann beschreibt mit dem Begriff das Phänomen, dass in Organisationen Führung nicht nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben erfolgt. Die Chefetage ist auf Informationenvon unten angewiesen, um Entscheidungen treffen und Anweisungen geben zu können. Auf diese Weise kann der Unterbau eines Unternehmens erheblichen Einfluss auf seine Führungskräfte ausüben. Ich meine hier mit »Unterwachung« etwas anderes, nämlich Überwachung von unten statt von oben, Gegenüberwachung
zur Korrektur der Überwachungsasymmetrie. »Unterwachung« ist die Überwachung der Besserverdienenden, der Hochmotorisierten, der Privilegierten, der Briefkastenfirmeninhaber, der Fiskalparadiesanleger, der Steuerhinterzieher und der Besitzer von privaten Seegrundstücken hinter hohen Hecken. »Unterwachung« ist Aufbegehren gegen die legalen und illegalen Aktivitäten der Herrschenden und ein Plädoyer für die Offenlegung ihrer Aktivitäten und Geschäfte, Aktiva und Passiva, Einkommen und Vermögen. »Unterwachung« bedeutet eine lückenlose Überwachung von Einkommen, Vermögen und Besitz der Herrschenden. Wir wollen wissen, wie viel ihr verdient, wie viel Vermögen und Besitz ihr euer Eigen nennt! Geschockt? Guess what: Das ist heute schon der Alltag der meisten (armen) Menschen. Wer keinen SUV, keine Yacht, keine Zweitwohnung, kein Konto in der Schweiz hat, der braucht diese »Unterwachung« nicht zu fürchten.

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Leseprobe »Lob der Überwachung«

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