Ingrid Strobl ist gestorben

© Malin Kundi

Wir trauern um Ingrid Strobl, die Ende Januar gestorben ist. Sie war Journalistin, Autorin, Aktivistin. 1952 in Innsbruck geboren, promovierte sie in Germanistik und Kunstgeschichte. Ab 1977 arbeitete sie als freie Journalistin für den ORF, war Redakteurin der EMMA, danach als Autorin tätig für WDR und SWR. Im Dezember 1987 wurde Ingrid Strobl in ihrer Wohnung festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Für einen Bekannten hatte sie einen Wecker gekauft, der in der Folge von den »Revolutionären Zellen« für einen Anschlag auf ein Gebäude der Lufthansa benutzt wurde, bei dem ein Sachschaden entstand. Ingrid Strobl gab den Namen des Bekannten nicht preis, verblieb zunächst in U-Haft und wurde 1989 wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu 5 Jahren Haft verurteilt. 1990 wurde das Urteil neu verhandelt und sie kam nach Anrechnung der Zeit in Untersuchungshaft auf Bewährung frei. Während der Haftzeit erschien ihr vielbeachtetes Buch »›Sag nie, du gehst den letzten Weg‹. Frauen im bewaffneten Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung«, das sie im Gefängnis fertiggestellt hatte. 2020 veröffentlichten wir das sehr persönliche Buch »Vermessene Zeit. Der Wecker, der Knast und ich«, in dem Ingrid Strobl ihre Haftzeit, den Aktivismus von Frauen, die Legitimation von Gewalt und individuelle Verantwortung reflektiert.

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