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Für einen Umweltschutz der 99%

Eine historische Spurensuche

Nautilus Flugschrift

Originalausgabe

Broschur
200 Seiten

Erschienen September 2021

 

16,00 

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Die drohende Klima- und Umweltkatastrophe ist das Resultat von sozialen Verhältnissen, die historisch gewachsen sind – und die überwunden werden können. Milo Probsts Streifzüge durch die emanzipatorischen Kämpfe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts schärfen den Sinn für das Mögliche und ziehen Verbindungslinien, aus denen Neues erwachsen kann:

Probst folgt den Spuren eines anarchistischen Aktivisten und Schriftstellers, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Buenos Aires für einen breiten Solidaritätsbegriff eintrat, der auch die Natur miteinbezog, denen eines britischen Sozialisten, der in den 1890er Jahren Arbeiter*innen zum Kampf gegen die Luftverschmutzung animieren wollte, denen eines kubanischen Unabhängigkeitskämpfers, der Anarchistin und Feministin Louise Michel und anderen. Ihre Geschichten verdeutlichen, dass so etwas wie eine universelle Menschheit nur durch gemeinsame Kämpfe, einen Prozess des Solidarisierens sowie einen Bruch mit einem System möglich ist, das Menschen systematisch entmenschlicht.

Der Umweltschutz der 99% ist zugleich Wiederanknüpfung an eine antikapitalistische Tradition und Neuerfindung. Er ist antirassistisch, feministisch und dekolonial, klassenkämpferisch und internationalistisch. Er sucht ein neues Wir, das alle einschließt, die in diesem System ausgebeutet, unterdrückt, diskriminiert und ausgeschlossen werden. Nur wenn Klima- und Umweltschutz als genuin soziale Fragen betrachtet werden, lässt sich dieses Wir entdecken.

Probst_Umweltschutz_Inhalt

 

 

Autor

Milo Probst © Pierre Kappler

Milo Probst, geboren 1991 in Basel, ist Historiker und arbeitet derzeit an einer Dissertation über die Umweltkritik im Anarchismus des ausgehenden 19. und anbrechenden 20. Jahrhunderts an der Universität Basel. Er interessiert sich für die Schnittstellen zwischen Forschung und Aktivismus und ist in der Klimagerechtigkeitsbewegung aktiv.

Leseprobe

Für die in diesem Buch vorgestellten Aktivist*innen war das freie und solidarische Leben auch deshalb greifbar, weil es am ehesten den »Gesetzen der Natur« entsprach. Weil Kapitalismus und Staatlichkeit »widernatürlich« waren, stellten sie nur schmerzhafte Umwege in die sicher geglaubte Zukunft dar. »Das Zahnrad des Fortschritts dreht sich schonungslos.« Trotzdem waren sie keine passiven und kalten Beobachter*innen einer Geschichte, die ohne menschliches Zutun voranschreiten sollte. Greifbar war diese Zukunft nämlich auch, weil sich die Zeit der Geschwisterlichkeit und Freiheit dank entschiedenem Handeln immer wieder im Hier und Jetzt einnistete: In den Gewerkschaften und Diskussionszirkeln, den Massendemonstrationen, der Pariser Kommune, den libertären Schulen. Natürlich immer nur in Ansätzen, mit vielen Widersprüchen und deshalb auch immer wieder ernüchternd. Und selbstredend auch immer nur kurzzeitig, unterbrochen und zerstört durch die Repression oder das Gefängnis. Aber sie war da, in Reichweite.

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