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G20. Verkehrsprobleme in einer Geisterstadt

Originalveröffentlichung
Broschur
Mit 19 S-W-Abbildungen
98 Seiten

Erschienen Juni 2018

 

Buch 10,00  / eBook 7,99 

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»Die Verhängung des Ausnahmezustandes, der für Hamburg in der ersten Juliwoche 2017 praktisch galt, trat ohne Erklärung in Kraft.«

Der G20-Gipfel in Hamburg war nicht nur wie eine trockene Notstandsübung aufgebaut – man konnte erkennen, mit welchen psycho-ökonomischen Kräften ein freigeschalteter Polizeistaat funktionieren wird: eine Geisterstadt, in der die Polizei ohne Bürger ihre Kräfte verschob.

Die Tage des Gipfels im Juli 2017 hatten in vielerlei Hinsicht etwas Skandalöses, angefangen mit der Größe der Sicherheitszonen, die eingerichtet werden sollten, und den Beschwichtigungen der Politiker, die dazu in keinem Verhältnis standen. Hamburg großflächig fast eine Woche lang komplett lahmzulegen, auf den leeren Straßen unablässig Kolonnen mit Polizeifahrzeugen zu verschieben, dazwischen gelegentlich Staatskarossen, ansonsten nahezu niemanden dort zu dulden bzw. die Verbliebenen mit allen möglichen Schikanen zu drangsalieren … Es ist schon eine merkwürdige Anmaßung, die sich da als unumgängliche Notwendigkeit des weltpolitischen Termins etablierte.
Eigentlich konnte sich jeder ausrechnen, dass es im Gegenzug knallen würde, aber nun erreichte die Randale ein auch im Schanzenviertel unbekanntes Maß an Schärfe. Doch auch ein unkoordinierter »Schwarm« von Initiativen bot der verordneten Ruhestellung die Stirn. Bei aller Heterogenität der Aktionen, bei allen Knochenbrüchen, Festnahmen und Frustrationen war die Gesamtheit des Protests doch ein Schritt in die urbane Lebendigkeit, auch ein Heraustreten aus den Gewohnheiten und der Vereinzelung des Alltags.

Weder die verschiedenen Ereignisse noch die der Vor- und Nachgeschichte des G20 sind mit einfachen oder eindeutigen Erklärungen zu erfassen. Dieser Text ist der Versuch einer Analyse.

Autoren

Das Komitee 17 besteht aus Zeugen, Aktivisten und Beobachtern, die sich für die Nachbesprechung des G20-Gipfels in Hamburg gesammelt haben, Frauen und Männer mit dem Bedürfnis, dieses Großereignis, seine Voraussetzungen und seine Konsequenzen in Worte zu fassen.

Leseprobe

Nicht nur die polizeiliche Besetzung der Stadt hat affektiv gewirkt (und Gefühle der Ohnmacht, Angst und Wut hinterlassen), auch die vielfältigen Begegnungen, die vielfältigen Aktionen haben durch ihren Reichtum an Formen und Beteiligungen unterschiedlichste Menschen stark beeindruckt. Die kollektive Vorstellungskraft so vieler Einzelner und Gruppen jenseits der großen Protestinstitutionen
(Campact, Gewerkschaften, Politparteien jeder Größe und Ausrichtung) war eine Art »Block des Werdens«, eine Bejahung der Vielfältigkeit. Es herrschte Toleranz gegenüber den Unterschieden, die durch die Konfrontation mit der Staatsgewalt in eine Kohärenz des Widerstands gedrängt wurde. Unterschiede, die die Staatsgewalt ihrerseits in ein einziges, eindeutig identifizierbares Bild drängen wollte. Die Dynamik der Ereignisse hatte alle Beteiligten größer und wirksamer gemacht, als sie im Alltag der Vereinzelung sind. Die Reflexion der Ereignisse und Erfahrungen öffnet den kollektiven Imaginationsraum hin zu einer anderen Gesellschaft und zu einer anderen Vorstellung des individuellen Glücks.

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