Kolonialkrieg ohne Kolonie?

Deutschland in Afghanistan

Nautilus Flugschrift

Originalveröffentlichung

Broschur, ca. 176 Seiten

ca. € 18,00

ISBN 978-3-96054-514-9

Erscheint im August 2026

n. a.

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Fünf Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr: Afghanistan-Experte Marc Thörner wagt eine Neubetrachtung des gesamten Einsatzes

Fast zwei Jahrzehnte lang, von 2002 bis 2021, war die Bundeswehr im Krieg in Afghanistan. Für ARD und Deutschlandradio hat Marc Thörner den Krieg jahrelang beobachtet – teilweise auch embedded bei verschiedenen NATO-Armeen. Ein Krieg, der mit der »Verteidigung der deutschen Sicherheit am Hindukusch« begründet wurde, in dem dann fast lehrbuchmäßig Strategien eingesetzt wurden, die an das deutsche Kolonialreich erinnern: Zusammenarbeit mit korrupten und mafiösen Kriegsherren; Stammespolitik zugunsten ausgewählter Ethnien; Sprache und (Fehl-)Information als Mittel psychologischer Kriegführung einer Armee, die sich zwar als Schutzmacht versteht, tatsächlich aber Risikoumkehr zu Lasten der Bevölkerung betreibt.
Marc Thörner sprach mit dem Vordenker der Taliban, mit Warlords und Bundeswehrkommandeuren, mit Vertretern der afghanischen Zivilgesellschaft, mit Diplomaten, Minister*innen und dem Leiter des Untersuchungsausschusses im Bundestag. Nach dem überstürzten Abzug der westlichen Truppen und der Machtübernahme der Taliban begab er sich erneut auf eine Spurensuche vor Ort.
In seiner Analyse verdeutlicht Thörner, dass das Bild von »Antiterrorkampf« und »Nation Building«, das der deutschen Öffentlichkeit noch immer präsentiert wird, heute nicht minder stark geschönt ist als während des Kriegs. Fünf Jahre nach der Niederlage fragt er, ob der Einsatz nicht neu bewertet werden sollte: als einer der letzten großen Kolonialkriege, mit allen Lehren, die sich daraus für aktuelle Konfliktherde der Welt ergeben.

Buchinfos

Broschur, ca. 176 Seiten, ca. € 18,00

Autor

Marc Thörner © privat

Marc Thörner (*1964) ist freier Journalist, überwiegend für ARD-Rundfunkanstalten. Er berichtet aus dem Maghreb, den Golfstaaten, Irak, Pakistan und Afghanistan. Bei Edition Nautilus erschienen u.a. Afghanistan Code (2010) und Rechtspopulismus und Dschihad (2021). 2009 erhielt Marc Thörner den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus. Er lebt in Hamburg und Marokko.

Leseprobe

Kabul wirkt in diesem Winter 2021 weiter in der Zeit zurück als bei meinem letzten Besuch, noch vor dem Machtwechsel. Die Präsenz von NATO-Militärs, die mit ihren vielfältigen Fahrzeugtypen, ihren Konvois durch die Straßen rasselten, die Limousinen der Neureichen und der Profiteure, all der Nadelstreifen-Warlords, ihre blitzblanken Geländewagen mit den Bodyguards, der bescheidene Wohlstand, der durch die Ausländer für viele abfiel, die bunten Konsumartikel, die Aktivität an allen Ecken und Enden, die Neubauten, die Projekte, die durch bunte Schilder mindestens angekündigt wurden – alles ist verschwunden.
Auf die Stadt im Talkessel zwischen den Hügeln, an die sich improvisierte Lehmhäuser klammern, scheint sich der sprichwörtliche Mehltau gesenkt zu haben. Alles ist wie überzogen mit einem beigen Staubton. Weder Straßen noch Fassaden werden instandgehalten. Sogar ein Bild von Ahmad Shah Masoud, dem Widerständler gegen die erste Taliban-Herrschaft in den 1990ern, ist nur halb zerfetzt, nur halb herabgerissen. Der Sieg ist so gewiss, dass niemand sich die Mühe macht, die Symbole der Republik zu tilgen, nicht einmal auf den erbeuteten Polizeifahrzeugen.

Pressestimmen

»Sollte zur Pflichtlektüre für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages erklärt werden.« Volker Saupe, Berliner Zeitung, über Afghanistan Code

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