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Rechtspopulismus und Dschihad

Berichte von einer unheimlichen Allianz

Nautilus Flugschrift

Originalausgabe

Broschur
ca. 160 Seiten, ca. € 16,00

ISBN 978-3-96054-270-4

Erscheint im Oktober 2021

 

Nicht lieferbar

»Neokolonialisten!« – »Islamische Terroristen!«, so lauten die Vorwürfe, die westliche Rechte und Islamisten sich gegenseitig an den Kopf werfen. Rechtspopulisten und Dschihadisten, so scheint es, sind geschworene Feinde. Betrachtet man jedoch die Schriften und Autoren, auf die sich beide Bewegungen berufen, so stößt man auf dieselben Denker: Ernst Jünger, Martin Heidegger, Alexis Carrel. Alle drei sind Idole sowohl der Neuen Rechten als auch der Vordenker des radikalen Islam. Auf sie und ihre Adaptionen berufen sich heute islamische Fundamentalistinnen, Salafisten und Dschihadisten.

Marc Thörner zeigt die gemeinsamen Ursprünge dieses Denkens und die unterschiedlichen, aber doch verwandten Manifestationen heute: Beide Bewegungen kritisieren Säkularismus, Liberalismus und Homosexualität, bekennen sich zu traditionellen Gesellschaftsstrukturen und Werten wie Religion, Befehl und Gehorsam, Selbstopfer und Martyrium, bekämpfen Individualismus und Rationalismus. In Syrien gehen Islamisch-Radikale und Rechte längst als Kampfgenossen vor. Werden sie in Europa weiterhin als Gegner auftreten – oder wird bald auch hier »zusammenkommen, was zusammengehört«?

Für seine Recherchen sprach Thörner mit Alexander Gauland und begab sich an die Front im syrischen Bürgerkrieg; er interviewte führende Repräsentanten des Assad-Regimes, sprach mit iranischen Literaten, traf libanesische Faschisten und Hisbollah-Anhänger sowie Historiker und Arabisten in Europa.

 

 

Autor

Marc Thörner © privat

Marc Thörner, geboren 1964. Lebt in Hamburg und Marokko. Seit 1994 freier Journalist, überwiegend für ARD-Rundfunkanstalten. Berichtet aus dem Maghreb, den Golfstaaten, Irak, Pakistan und Afghanistan. Bei Edition Nautilus erschienen u.a. Ein sanfter Putsch (2014) und Afghanistan-Code (2010). 2009 erhielt Marc Thörner den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus.

Leseprobe

Gauland blickt auf die Uhr. Doch jetzt kommt eine Frage, die er von mir höchstwahrscheinlich weniger erwartet: Wirkt der Islam vielleicht deshalb so dynamisch, weil der Westen spirituell so schwach geworden ist? Bieten wir einfach zu viele Angriffsflächen? Er nickt. »Es gibt keine kräftige Spiritualität mehr in diesem Lande«, sagt er prompt. »Natürlich ist es völlig richtig, dass, wenn die geistigen Kräfte in einem Land stark nachlassen, dann sich andere Kräfte von einer stärkeren Geistigkeit an die Stelle bringen. Das erleben wir ja mit den Einwanderern, deren Moscheegemeinden sehr viel mehr gefüllt sind als die christlichen Kirchen. Das ist nicht nur eine Sichtweise von Ernst Jünger.« (…)
Wer Jünger liest, stellt fest: Er liebte den Islam. »Im arabischen Märchen«, schreibt Gaulands intellektuelles Leitgestirn, »genügt die Nennung Allahs, um die fliegenden Dämonen zu verbrennen wie durch einen Stern.« Jünger hasste die »Dämonen« der Französischen Revolution, hasste die Werteordnung des Westens. Gauland und die Neuen Rechten lieben den Islam nicht. Sie lieben Jünger. Lieben sie den Westen?

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