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Schwein und Zeit. Tiere, Politik, Revolte

 

Karl-Marx-Preis 2018!

 

Originalveröffentlichung
Broschur, ca. 180 Seiten

ISBN 978-3-96054-087-8

Erscheint Anfang September 2018

ca. € 16,00

ISBN: k.A.

Nicht lieferbar

»Nur ein Verrückter würde behaupten, Tiere seien politisch. Dieser Verrückte bin ich.« Fahim Amir

»Bei Tieren wird die Linke rechts«, postuliert Fahim Amir und holt zum anregenden Gegenschlag aus – witzig, provokant und aufregend. Hatte einst Brecht das Theaterpublikum angeherrscht: »Glotzt nicht so romantisch«, so sollten auch wir unsere Vorstellungen von Natur entromantisieren. Kritik an Umweltzerstörung oder industrieller Tierhaltung basiert meist auf konservativen Ideen einer »unberührten Natur« oder bejubelt gar vormoderne Formen der Tierzucht.
Dagegen setzt Amir Politik statt Ethik: Wer nach Tipps für die Errichtung urbaner Bienenstöcke sucht, wird nachhaltig enttäuscht. Stattdessen beleuchtet Amir die Rolle widerständiger Schweine für die Entwicklung der modernen Fabrik und berichtet von den Aufständen der – aus Menschen und Nichtmenschen bestehenden – »Schweinischen Multitude«, die New York über Jahre erschütterten. Schwein und Zeit ist ein Gegengift zu jenem Kulturpessimismus, der Tiere nur zu »totalen Opfern« erklären will. Stattdessen wird die Geschichte der Tiere aus einer Perspektive der Kämpfe gedacht: Wenn Tiere als Täter, Staatsfeinde und widerständige Akteure in den Blick genommen werden, wird die Devise »Solidarität statt Mitleid« plausibel.
Es geht um neue Ökologien, die Ordnungspolitikern und Bio-Lehrerinnen unheimlich sind, die aber die Chance für neue Konzepte des Miteinanders und des Widerstands an vielleicht überraschenden Orten versprechen: Taubenfüttern durch renitente Omas als Form militanter Massenpraxis im öffentlichen Raum. Wo es Städte gibt, da gibt es Tauben. Und wo es Tauben gibt, gibt es Widerstand.

Autor

Fahim Amir © Jakob Gsöllpointner

Fahim Amir © Jakob Gsöllpointner

Fahim Amir lebt als Philosoph und Künstler in Wien; er beschäftigt sich mit den Übergängen von NaturKulturen und Urbanismus, Performance und Utopie, kolonialer Historizität und Modernismus. Amir lehrt an europäischen und internationalen Universitäten, betrieb die Bar Schnapsloch und den Verlag Proll Positions, und arbeitete in unterschiedlichen Projekten mit Künstler*innen wie Deichkind, Chicks on Speed, Rocko Schamoni und Ted Gaier. Als Teil der Performancegruppe Dolce & Afghaner trieb er mit Plakaten und Interventionen österreichische Rechtspopulist*innen und Boulevardmedien auf die Palme. Daneben war Amir Kurator von Symposien zu Neuer Musik (Ferienkurse Darmstadt), Live-Art-Festivals (Kampnagel Hamburg) und Ausstellungen (Secession Wien). Zuletzt erschien von ihm das Nachwort zu Donna Haraways Manifest für Gefährten (Merve 2016).

Leseprobe

Die tierethisch vorherrschende Frage »Können sie leiden?« weicht hier einem anderen Interesse: Wo und wie leisten und leisteten Tiere Widerstand und wo gibt und gab es Kampfgefährt*innenschaften zwischen Menschen und Tieren? Daraus kann Solidarität entstehen statt bloß paternalistisches Mitleid.
Mitleid hat nicht selten sozialchauvinistische Züge: Vergessen wir nicht, dass Adolf Hitler Mein Kampf während seiner Landsberger Haft auf dem Schreibpapier der Familie Wagner schrieb, ein Reproduktionszusammenhang, in welchem Vegetarismus als Moral der Herrenmenschen hoch im Kurs stand. Der von Klassenvorurteilen durchtränkte und kulturalistisch verbrämte Gestus der besseren Behandlung von Tieren durch bessere Menschen ist ein Erbe des Mitleids-Gedankens, der, in neue Schläuche gegossen, als Sittlichkeitsgebot zeitgenössischer Ethik und Supermarkt-Regalordnungen wiederauftaucht.

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CC Amir_Schwein_125

Fahim Amir © Jakob Gsöllpointner_SW_380x570.jpg

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