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Schwein und Zeit

Tiere, Politik, Revolte

 

Karl-Marx-Preis 2018
Sachbuch-Bestenliste von Deutschlandfunk Kultur, ZDF und DIE ZEIT Januar 2019

 

Überarbeitete Neuausgabe der Erstausgabe von 2018 mit einem aktuellen Vorwort des Autors
Broschur, 216 Seiten

Erschienen Januar 2021

 

16,00 

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»Nur ein Verrückter würde behaupten, Tiere seien politisch. Dieser Verrückte bin ich.« Fahim Amir

»Bei Tieren wird die Linke rechts«, postuliert Fahim Amir und holt zum Gegenschlag aus. Kritik an Umweltzerstörung oder industrieller Tierhaltung basiert meist auf konservativen Ideen einer »unberührten Natur« oder auf der ökokapitalistischen Sorge um nachhaltiges Ressourcenmanagement.
Gegen die Romantisierung der Natur setzt Amir Politik statt Ethik. Statt Tiere kulturpessimistisch zu bloßen Opfern zu erklären, wird ihre Geschichte aus einer Perspektive der Kämpfe erzählt: Wie renitente Schweine maßgeblich die Entwicklung der modernen Fabrik bestimmt haben. Wie unbeherrschte Ansammlungen von Menschen und Tieren sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Zähmung New Yorks widersetzten. Wie Singvögel in der Stadt sich dank hoher Östrogenspiegel im Abwasser dopen und das Nikotin von Zigarettenstummeln zur Parasitenabwehr in ihren Nestern nutzen. Die Geschichte malariöser Moskitos und der Versuche ihrer Bekämpfung wirft ein stroboskophaftes Licht auf neokoloniale Beziehungen zwischen medizinischen und politischen Fieberschüben.
Es gibt kein Zurück in die vermeintlich reine Natur – neue urbane Ökologien sind jedoch eine Chance für neue Konzepte des Miteinanders und Gegeneinanders. Nicht um moralische Selbsterhöhung oder marktförmige Imaginationen gesellschaftlicher Reform durch korrekten Konsum geht es hier, sondern um utopische Momente, die die Gegenwart zum Stottern bringen.

Autor

Fahim Amir © Jakob Gsöllpointner

Fahim Amir © Jakob Gsöllpointner

Fahim Amir lebt als Philosoph und Autor in Wien. Amir lehrte an Universitäten und Kunsthochschulen in Europa und Lateinamerika; er beschäftigt sich mit den Übergängen von NaturKulturen und Urbanismus, Kunst und Utopie, kolonialer Historizität und Modernismus. Amir war u.a. Kurator des Live Art Festivals »Occupy Species« Hamburg, 2013), der Kunstausstellung »Salon Klimbim« Wien, 2014) und des Symposiums für Neue Musik »Excess. Forum for Philosophy and Art« (Internationale Ferienkurse Darmstadt, 2016). Er arbeitete mit Künstler*innen wie Chicks on Speed, Deichkind, Ted Gaier und Rocko Schamoni. Amir war u.a. Mitherausgeber von Transcultural Modernisms (Sternberg Press, 2013) und schrieb das Nachwort zur deutschen Übersetzung von Donna Haraways Manifest für Gefährten (Merve, 2016).

Schwein und Zeit wurde mit dem österreichischen Karl Marx Preis geehrt, stand auf der Sachbuch-Bestenliste von Deutschlandfunk Kultur, ZDF und Die Zeit und wurde von Goethe-Institut und Frankfurter Buchmesse zu einem des besten Bücher des Jahres 2019 gewählt. Es ist ins Englische (Between the Lines, 2020) und Persische (Elm, 2021) übersetzt worden und erscheint 2022 in französischer Übersetzung (Editions Divergences). Auszüge des Buches wurden 2021 am Wiener Burgtheater aufgeführt.

Leseprobe

Die tierethisch vorherrschende Frage »Können sie leiden?« weicht hier einem anderen Interesse: Wo und wie leisten und leisteten Tiere Widerstand und wo gibt und gab es Kampfgefährt*innenschaften zwischen Menschen und Tieren? Daraus kann Solidarität entstehen statt bloß paternalistisches Mitleid.
Mitleid hat nicht selten sozialchauvinistische Züge: Vergessen wir nicht, dass Adolf Hitler Mein Kampf während seiner Landsberger Haft auf dem Schreibpapier der Familie Wagner schrieb, ein Reproduktionszusammenhang, in welchem Vegetarismus als Moral der Herrenmenschen hoch im Kurs stand. Der von Klassenvorurteilen durchtränkte und kulturalistisch verbrämte Gestus der besseren Behandlung von Tieren durch bessere Menschen ist ein Erbe des Mitleids-Gedankens, der, in neue Schläuche gegossen, als Sittlichkeitsgebot zeitgenössischer Ethik und Supermarkt-Regalordnungen wiederauftaucht.

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Inhaltsverzeichnis »Schwein und Zeit«

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Leseprobe »Schwein und Zeit«

Pressestimmen

»Kämpfen mit Pfoten und Pranken: Tiere sind nicht nur Opfer, sondern auch Gestalter der Moderne« Claudia Mäder, Neue Zürcher Zeitung

»Amir bringt in seiner wunderbar leichtfüßigen Art komplizierte, widersprüchliche, ambivalente Dinge klug auf den Punkt.« Barbara Eisenmann, Deutschlandfunk

»Ein bemerkenswertes Debüt.« Christian Bartlau, Die Zeit

»Das ist neu geschriebene Sozialgeschichte, mit Tier und Mensch in den Hauptrollen. (…) Fahim Amirs Lust an der Provokation macht selbst wieder Lust – und sprüht Funken Wahrheit.« Philine Sauvageot, SWR 2

Downloads

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CC Amir_Schwein_125_©Maja_Bechert

Fahim Amir © Jakob Gsöllpointner

Fahim Amir 2 © Jakob Gsöllpointner

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