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Vom Untergang

Kriminalroman

Originalveröffentlichung

Broschur
ca. 256 Seiten

ca. € 18,00

ISBN 978-3-96054-284-1

Erscheint im März 2022

 

Nicht lieferbar

Ein so packendes wie bedrückendes Sittenbild der Weimarer Republik

Oswald Spengler, nach seinem Erfolgsbuch Der Untergang des Abendlandes in rechtskonservativen Kreisen hochgeschätzt, ist 1922 auf dem Weg nach Oberbayern zu Forstrat Escherich, dem Gründer einer republikfeindlichen Einwohnerwehr, um ihm einen geheimen Plan zur Lenkung der nationalen Presse zu unterbreiten. Auch der Fürther Spiegelfabrikant Gumbrecht lässt sich leicht gewinnen. Dabei kommt es ihm gar nicht in den Sinn, seine Sekretärin Fräulein Hierer, die sich zu einer Affäre mit ihm hat hinreißen lassen, könnte kompromittierende Briefe nicht nur schnell und zuverlässig abtippen, sondern auch Kopien beiseiteschaffen und dem Plan so gefährlich werden.
Doch Emma Hierer ist die Tochter des gestandenen Anarchosyndikalisten Fritz Oerter, die der alten Geschichten ihres Vaters zwar etwas überdrüssig ist, aber trotzdem einen wachen politischen Blick hat. Ihr langjähriger Freund, der Sozialdemokrat Max Schmidttill, Eintänzer und Gigolo in Cafés der gehobenen Gesellschaft, stürzt in zweifelhafte Milieus ab. Eines Nachts wird er von Rechtsnationalen getötet – doch die lenken den Verdacht auf die Anarchisten …

Spenglers Komplott, der Mord an Schmidttill und diverse Figuren wie Fritz Oerter sind historisch belegt; der Roman basiert auf intensiven Recherchen und enthält zahlreiche Originalzitate aus Zeitungen, Sitzungsprotokollen und Briefen.

Autor

Leonhard F. Seidl © Katrin Heim

Leonhard F. Seidl © Katrin Heim

Leonhard F. Seidl, geboren 1976 in München, ist Schriftsteller, Journalist und Dozent für Kreatives Schreiben. Er hat zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, u. a. von der Romanwerkstatt Literaturforum im Brecht-Haus sowie der Bayerischen Akademie des Schreibens im Literaturhaus München. 2017 erschien sein Kriminalroman Fronten.

 

Leseprobe

Ein Mann aus der Gruppe gegenüber, der seinen Stumpf auf eine Krücke hochgelehnt hatte, fragte, ob Spengler auch im Krieg gewesen sei. Der kultivierte Mensch hat seine Energie nach innen, der zivilisierte nach außen, dachte Spengler. Er reagierte erst nicht, dann krächzte er, als hätte er seine Stimme jahrzehntelang nicht benützt. Ja, er sei auch im Krieg gewesen und habe dem Franzmann gehörig die Leviten gelesen. Glücklicherweise sei er ohne Verletzung, er nickte in Richtung des Stumpfes des Burschen, heimgekehrt. Da kehrte Ruhe ein im Abteil, die vom Rattern der Dampflok in die Länge gezogen wurde. Verschämt sahen alle zu Boden oder aus dem Fenster, auf die vorüberziehende Landschaft. Wie rasch man in einer einfältigen Gesellschaft einfältig wird.

Weitere Titel in der Edition Nautilus:

Leonhard F. Seidl Fronte

Fronten

Buchinfos

Broschur, 160 Seiten

16,00 

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