70. Geburtstag von Ingvar Ambjørnsen am 20. Mai

Ingvar Ambjørnsen © Tine Poppe

Ingvar Ambjørnsen © Tine Poppe

Am 20. Mai wäre Ingvar Ambjørnsen 70 Jahre alt geworden.
Sein neuer Erzählungenband Niemand da hatte anlässlich des runden Geburtstags erscheinen sollen, doch am 19. Juli 2025 ist Ingvar Ambjørnsen nach langer Krankheit in Norwegen gestorben. Er war uns ein langjähriger, liebgewonnener Weggefährte und fehlt noch immer. Umso froher sind wir über sein letztes Buch, das wir nun posthum veröffentlicht haben, aus dem Norwegischen übersetzt, um fünf bisher unveröffentlichte Erzählungen ergänzt und mit einem Geleitwort versehen von Gabriele Haefs.

Geboren 1956 in Tønsberg (Norwegen), arbeitete er nach einer Setzerlehre als Gärtner und als Pfleger in der Psychiatrie und etablierte sich nebenbei rasch als einer der bedeutendsten Autoren Norwegens. Seit 1985 lebte er mit seiner Frau, der Übersetzerin Gabriele Haefs, in Hamburg. Sie übertrug auch seine Werke ins Deutsche: Zwischen 1988 und 1995 veröffentlichte Ingvar Ambjørnsen allein in der Edition Nautilus sieben Romane.
Mit den Elling-Romanen gelangte er zu Weltruhm, sie wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet und in über dreißig Sprachen übersetzt. Die Verfilmung »Elling« war 2002 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.
Zwischen 2012 und 2019 erschienen erneut vier Romane bei Nautilus. Ingvar Ambjørnsen wurde u.a. 2012 mit dem Willy-Brandt-Preis und 2023 mit dem Brageprisen, einem der wichtigsten Literaturpreise in Norwegen, ausgezeichnet.

In Ingvar Ambjørnsens Erzählungen spiegelt sich Vergangenes im Gegenwärtigen, sind Menschen auf der Flucht und suchen Zuflucht, wärmen sich am Feuer, bevor sie in ihre Einsamkeit zurückkehren. Ein einsamer Wanderer und Hütteneinbrecher trifft auf eine Frau und einen Jungen, der nicht spricht. Ein Mann reist zum Trauern nach St. Peter-Ording. Das eindrucksvolle Panorama im Restaurant eines Berghotels eröffnet auch einen ungewollten Blick auf den Versuch, einen Bergsteiger zu retten. Auf einer Ostseefähre fällt der Strom aus, der Kiel schrammt über den Grund. Katastrophe oder Einbildung? Zwischen tiefer Empathie und einem unbestechlichen Blick für die Komik des Daseins leuchtet Ingvar Ambjørnsens ganzer literarischer Kosmos noch einmal auf. In der norwegischen Presse hieß es über Niemand da: »Ein literarisches Geschenk. Ein fantastisches Finale für ein außergewöhnliches Lebenswerk.« (Verdens Gang)

 

Buchvorstellung mit Michael Hirsch und Kilian Jörg »