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Das homosexuelle Begehren

Nautilus Flugschrift

Aktualisierte, korrigierte, kommentierte Neuausgabe der Übersetzung von Burkhart Kroeber von 1974
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Lukas Betzler und Hauke Branding
Mit einem Vorwort von Antoine Idier

Broschur, ca. 192 Seiten
ca. € 18,00

ISBN 978-3-96054-208-7

Erscheint Anfang September 2019

 

Nicht lieferbar

Das fulminante Erstlingswerk des Philosophen und LGBT-Aktivisten Guy Hocquenghem, ein Schlüssel- und Initialwerk der Queer Theorie – endlich neu aufgelegt

Als er 1972 Das homosexuelle Begehren schrieb, war Guy Hocquenghem gerade 25 Jahre alt – eine schillernde Persönlichkeit, Philosoph, Trotzkist und Schwulenaktivist.
Hocquenghem fordert ein neues Denken über Geschlecht, Begehren und Sexualität, jenseits binärer Schemata und des »ödipalen Dreiecks« der psychoanalytischen Theorie. Für ihn gibt es keine stabile (sexuelle) Identität, sondern nur ein universelles Begehren. Skeptisch gegen jede Behauptung von »Normalität« kritisiert Hocquenghem daher auch jene liberale Ideologie, die Homosexualität zwar toleriert, aber nur als von der Normalität klar abgetrenntes »Minderheiten-Phänomen«. Sein Buch ist eine radikale Kritik der gesellschaftlich fest verankerten Homophobie, zugleich aber auch ein Appell an die Bewegung, sich nicht vom liberalen Integrationsversprechen blenden zu lassen, das die Stillstellung des Begehrens in einer »homosexuellen Identität« einfordert. Stattdessen sieht er die Rolle der homosexuellen Emanzipationsbewegungen darin, mit ihrer eigenen Befreiung auch die der Sexualität aller zu erkämpfen.

Für die soziologische Debatte in Frankreich ist Hocquenghems Werk wegweisend – so sind die Schriften Didier Eribons wie auch Michel Foucaults Hauptwerk Histoire de la sexualité (Band 4 erscheint 2019 erstmalig auf Deutsch), stark von ihm geprägt. Diese Neuauflage schließt eine große Lücke im deutschsprachigen Diskurs.

Autor und Herausgeber

Guy Hocquenghem

Guy Hocquenghem (1946-1988) war früh in kommunistischen und trotzkistischen Gruppen aktiv. Als Student beteiligte er sich an den Protesten im Mai 1968 und wurde 1971 Mitglied des neu gegründeten Front homosexuel d’action révolutionnaire (FHAR). Der Vertraute von Gilles Deleuze, Michel Foucault und René Scherer veröffentlichte mehr als zwanzig Werke, bis er 1988 an Aids starb.

Hauke Branding, geboren 1988, forscht und veröffentlicht zu Klassentheorien, zur Geschichte der Schwulenbewegung und der Queer Theory.
Lukas Betzler, geboren 1989, promoviert gegenwärtig über die Literaturtheorie der älteren Kritischen Theorie an der Universität Lüneburg.

Leseprobe

Die kapitalistische Gesellschaft erzeugt den Homosexuellen, wie sie den Proletarier hervorbringt, wodurch sie ständig ihre eigenen Schranken errichtet. Die Homosexualität ist ein Erzeugnis der normalen Welt; man verstehe diesen Satz bitte nicht im Sinne eines gewissen Liberalismus, der zur Entschuldigung der Homosexuellen erklärt, dass die Gesellschaft schuldig sei – eine pseudo-progressive Haltung, die für den Homosexuellen noch gnadenloser ist als die offene Repression. Niemand wird jemals die Vielschichtigkeit des Begehrens beseitigen. Was aber erzeugt wird, ist jene psychopolizeiliche Kategorie der Homosexualität, jene abstrakte Aufteilung des Begehrens, die auch noch den zu schulmeistern erlaubt, der sich ihr entzieht, jene gesetzliche Erfassung dessen, was jenseits von Gesetzen ist.

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CC_Hocquenghem_Begehren_125_©_Maja Bechert

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Hocquenghem_213x102

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