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Dekolonisiert Selfcare

Nautilus Flugschrift

Aus dem Englischen von Anne Emmert

Deutsche Erstausgabe

Broschur, 216 Seiten

Erscheint am 4. März 2024

20,00 

Selfcare – ursprünglich eine Überlebenstechnik Schwarzer Feminist*innen – hat sich in eine hochgradig kapitalisierte und eigennützige Logik verwandelt. Zeit für eine Dekolonisierung!

Für Feministinnen des 20. Jahrhunderts war Selfcare ein Schlachtruf für körperliche Autonomie und politische Macht: »Meine Selbstfürsorge ist keine Selbstgefälligkeit, sondern Selbsterhaltung, und das ist ein Akt politischer Kriegsführung«, sagte Audre Lorde. Für heutige Lifestyle-Marken und Influencerinnen geht es hingegen darum, unter dem Selfcare-Label Yogakurse, Achtsamkeits-Apps, ausgefallene Ernährungs- und Körperprodukte und natürlich das dazugehörige Mindset zu einem hohen Preis zu verkaufen. Mittlerweile hat Selfcare als äußerst lukratives Geschäftsmodell nahezu jeden Bereich des Lebens infiltriert: Ernährung, Freizeit, Kultur. Sorge für dich selbst – weil du es dir wert bist (und gib dabei am besten möglichst viel Geld aus).

Dieses Buch liefert eine umfassende Analyse und eine scharfe Kritik an den kapitalistischen, rassistischen Untertönen eines Konzepts, das von einer Schwarzen Überlebenstaktik zu einem Businessmodell des weißen neoliberalen Feminismus gemacht wurde. Die Dekolonisierung der Selbstfürsorge, so die Autor*innen, erfordert eine Auseinandersetzung mit dem ausschließenden, aneignenden Charakter des Selfcare-Markts. Doch Aufklärung ist nur der erste Schritt in diesem Prozess. Wir müssen uns zu neuen Modellen von Selbst- und kollektiver Fürsorge bekennen, die ein gutes Leben für alle ermöglichen – und die Strukturen der Ungleichheit beseitigen.

Buchinfos

Broschur, 216 Seiten

Autor*innen und Übersetzerin

Alyson Spurgas © privat

Alyson K. Spurgas ist Professor*in für Soziologie am Trinity College in Hartford, Connecticut. Spurgas arbeitet zu Traumasoziologie, Politik des Begehrens und Care-Technologien.

Zoë Meleo-Erwin © privat

Zoë C. Meleo-Erwin ist Soziologin. Sie hat u.a. zur Bedeutung von Gesundheit und Krankheit, zu Gesundheitspolitik und zu den Effekten digitaler Technologien auf Community- und Identitätsbildung im Kontext von Gesundheit und Krankheit geforscht.

Anne Emmert studierte Anglistik, Amerikanistik und Linguistik. Sie übersetzte vor allem Sachbücher aus den Bereichen Politik, Gesellschaft, Feminismus aus dem Englischen, u.a. die Bücher von Laurie Penny. Im Januar 2024 ist Anne Emmert tödlich verunglückt – wenige Tage nachdem sie mit dem Rebekka Übersetzerpreis ausgezeichnet wurde.

Leseprobe

Leseprobe »Dekolonisiert Selfcare« (PDF)

Es ist paradox: Ideal wäre natürlich die superelitäre Selfcare, aber wenn frau sich das nicht leisten kann, hat sie zumindest die Möglichkeit, sich auf dem gigantischen Markt, der genau für diese Zwecke entwickelt wurde, dem Ideal anzunähern (ehrlich – das musst du ausprobieren!). Du hast nicht das Geld für eine Geburtstagssause auf der Privatinsel mit anderen hippen Leuten, die bei Mondschein mit dir schwimmen gehen? Aber bestimmt kannst du dir doch ein paar Mutmachkarten, ein Armband mit eingeprägtem Mantra (ernsthaft?) oder die ätherischen Öle auf Amazon leisten. Oder noch besser: Hol dir die kostenlose Calm-App. Luxus-Selfcare für die Reichen und Schnäppchen-Selfcare fürs gemeine Volk – was leben wir doch in einer tollen Zeit!

Downloads

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