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Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen

Roman

Aus dem Englischen übersetzt von Sonja Finck

1. Platz Litprom-Bestenliste Weltempfänger Winter 2020
Shortlist Internationaler Literaturpreis 2021
Nominiert für den Bücherfrauen-Literaturpreis 2021

Deutsche Erstausgabe

Gebunden mit Schutzumschlag, Fadenheftung
288 Seiten

Erschienen Oktober 2020

 

 

22,00 

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»Ich wurde in Gefangenschaft geboren. Ich wurde am 1. April 1979 in Teheran geboren, am selben Tag wie die Islamische Republik.«

Sheyda Porroyas Tage sind gezählt. Sie sitzt im Todestrakt eines iranischen Gefängnisses – es ist das Jahr 1999, sie ist zwanzig Jahre jung. Ihre Erzählung, die zwischen Rückblicken auf ihre Kindheit und Jugend und dem barbarischen Alltag im Gefängnis hin- und herwechselt, ist voller Phantasie: Wachsen ihr wirklich Engelsflügel aus den Schulterblättern? Hat sie wirklich ihre Mutter getötet? Oder ist sie vielleicht wahnsinnig?
Schon als Kind flüchtet sich Sheyda in eine Traum- und Wahnwelt und gewinnt in der repressiven Umgebung, in der sie aufwächst, immerhin eine Art Narrenfreiheit. Ungeliebte Tochter unglücklicher Eltern, Sonderling ohne Freunde und einzig zur grenzenlosen Liebe begabt, schafft sie sich ein Alter Ego ausgerechnet in Gestalt von Dantes Beatrice.

In berückend schöner, kraftvoller Sprache entfaltet Ava Farmehri eine Geschichte von Realitätsflucht, Unterdrückung und Isolation – makaber und magisch zugleich.

 

Autorin und Übersetzerin

Ava Farmehri lebt in Kanada. Sie ist im Nahen Osten aufgewachsen, umgeben von Büchern, Katzen und Krieg. Sie liebt Bücher. Sie liebt Katzen. Sie hasst Krieg. Sie hasst Krieg leidenschaftlich. Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen ist ihr erster veröffentlichter Roman. Sie schreibt unter Pseudonym.

Sonja Finck, geboren 1978 in Moers, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Inzwischen lebt sie als literarische Übersetzerin in Berlin und Gatineau (Kanada). 2019 wurde sie mit dem Eugen-Helmlé-Preis ausgezeichnet.

Leseprobe

Das Gute an einem Todesurteil ist, dass es die Dinge relativiert. In dieser Hinsicht ist es einer Nahtoderfahrung nicht unähnlich, auch wenn ich eine solche noch nie am eigenen Leib erfahren habe. Aber ich kenne alle möglichen Klischees von einem Licht und einem Tunnel und wie man in Gottes Hauptquartier entschwebt und von oben auf den eigenen leblosen Körper hinabblickt. Als ich auf mich selbst hinabblickte, sah ich Tränen in meinen Augen und meine wie zum Gebet aneinandergelegten Hände in Handschellen. Ich sah Tränen, die von den Zeitungen und von den Zuschauern vermutlich entweder als Krokodilstränen oder als Zeichen meiner aufrichtigen Reue gedeutet wurden, und eine Handhaltung, die man als flehend oder fatalistisch hätte beschreiben können. Eins möchte ich klarstellen: Meine Tränen waren Freudentränen.

Leseprobe Farmehri, Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen

Pressestimmen

»›Sie werden mich töten.‹ Das ist der erste Satz in diesem Roman, der kein Zitat ist. Und so kommt es am Ende. Dazwischen überbordet alles – Körperflüssigkeiten, Fantasie, Gewalt. Teheran 1999. Die Mullahs haben einen Staat geschaffen, in dem Frauen sich nur verkriechen können, Kinder bekommen und still sein. Ein Mädchen, Sheyda, stellt sich quer. Ist die Heldin verrückt? Die Eltern denken, möglicherweise. Dabei ist sie vollkommen klarsichtig in ihrem Widerstand. Es geht um die Körper der Frauen in einem für Frauen unbewohnbaren Land. Eine poetische und gewaltige Abrechnung mit dem Gottesstaat, ein sprachlich und in der Fantasie aus dem Vollen schöpfendes Debüt, eine unheimliche Verzahnung von Motiven körperlicher Erfahrung, als Erinnerung aufgezeichnet in der Todeszelle. In der vorwärtstreibenden, auch furchtlosen Übersetzung von Sonja Finck ungeheuer intensiv als Leseerfahrung, ein erstaunliches, unvergessliches Buch.« Jurykommentar Internationaler Literaturpreis 2021 (Shortlist)

»Sie kommt 1979 am selben Tag wie die Islamische Republik auf die Welt und will raus. Sheyda lügt und träumt, sie verliert den Glauben und verführt die Männer. Mit 20 Jahren sitzt sie in der überfüllten Todeszelle und giftet befreit: Was wollt ihr, Mullahs?« Jörg Plath, Litprom-Bestenliste Weltempfänger, Platz 1 Winter 2020

»Ein eindringlicher, überwältigender Roman, so grotesk und schön zugleich, dass man in ihm versinken muss.« Ava Weis, BÜCHERmagazin

»Das letzte Wort in diesem seltsamen, teilweise atemraubenden, satzweise eben am Kitsch entlangschrammenden großartigen Buch ist dann tatsächlich: Freiheit. Dafür hat sich jede Zumutung gelohnt.« Verena Lueken, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»›Die Freiheit!‹ Von diesem letzten Wort fällt, wie von der eben aufgehenden Sonne im Augenblick der Hinrichtung, ein jähes Licht, das die ganze wirre Landschaft dieses Buchs und des Lebens seiner Heldin auf einmal in hellem Glanz erstrahlen lässt.« Burkhard Müller, Süddeutsche Zeitung

»Ein beachtliches Debüt und eine dunkle Märchenstunde.« Marius Müller, buch-haltung.com

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