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Kongo Blues

Kriminalroman

Aus dem Flämischen
von Jan-Frederik Bandel

Deutsche Erstausgabe
Klappenbroschur
176 Seiten

Erschienen März 2019

 

16,90 

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»Mit leiser Traurigkeit und fesselnder Empathie führt uns Kongo Blues direkt in das schmerzvolle Innere des Kolonialismus.« Francesca Melandri

Morgan ist Jazzpianist und verdient sein Geld mit gelegentlichen Konzerten in Brüsseler Bars. An seine Kindheit in den Tropen kann er sich kaum erinnern.
Als er am ersten Tag des Jahres 1988 von einem Silvesterkonzert nach Hause kommt, findet er eine elegante junge Frau im schwarzen Abendkleid schlafend in der Nähe seines Hauses liegen. Sie würde erfrieren, wenn er sie liegenließe, also denkt er nicht lange nach und trägt sie vorsichtig in seine Wohnung. Sie schläft tief und fest, und als er sie vorsichtig ablegt, fällt ein Umschlag mit einer Million Francs aus ihrer Tasche.
Als sie am nächsten Morgen zu sich kommt, verrät sie nicht, wer sie ist. Sie geht, aber sie kommt wieder und zieht mit zwei Koffern bei ihm ein, angeblich, weil in Brüssel alle Hotels ausgebucht sind. Ist ihr Zusammentreffen womöglich gar nicht so zufällig, wie es schien? Morgan beginnt, Erkundigungen über Simona einzuholen …

Hintergrund des Romans ist das Schicksal der Kinder weißer Kolonialisten mit schwarzen Frauen, die während der belgischen Kolonialherrschaft systematisch ihren Müttern weggenommen und in katholische Waisenhäuser verbracht wurden. Kurz vor der Unabhängigkeit des Kongo 1960 wurden diese Kinder nach Belgien »evakuiert« und zur Adoption vermittelt. Ihre Familien sahen sie nie wieder – genau wie Morgan.
Erst 2017 kam es im belgischen Parlament zu einer Anhörung noch lebender Opfer und zu einer öffentlichen Debatte.


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Interview mit Jonathan Robijn

Autor

Jonathan Robijn © Irwan Droog

Jonathan Robijn © Irwan Droog

Jonathan Robijn, geboren 1970 in Gent, studierte Soziologie und Psychologie und arbeitete für Ärzte ohne Grenzen, er schreibt Kurzgeschichten und Romane; sein Debüt De stad en de tijd war 2013 für den Gouden Boukenuil nominiert. Kongo Blues ist sein erster Roman, der auf Deutsch erscheint.

Leseprobe

Das Erste, was sie sagte, war: »Spiel mal was«, und sie wies auf das Klavier, das neben dem Ständer mit den Schallplatten stand. Ihre Stimme passte zum Ausdruck in ihrem Gesicht, sie war forsch, aber auch warm, sanft, fast schon lieb. Er setzte sich ans Klavier und begann, ein Stück von Thelonious Monk zu spielen, ruhiger Jazz, die ideale Musik, um das neue Jahr einzuleiten. Er hatte dieselbe Nummer gestern am Silvesterabend gespielt, und der Beifall war so groß gewesen, dass er sie nach dem Jahreswechsel – es war da wohl schon drei Uhr morgens – noch einmal spielen musste. Sie stand auf und setzte sich zu ihm an den Tisch. Als die letzte Note verklungen war, zog sie die Tasse mit einer wehmütigen Bewegung wieder zu sich heran, nahm die Kaffeekanne und schenkte sich ein. Einen Augenblick lang blieben ihre Augen an Morgans Händen hängen, als wäre sie fasziniert vom Anblick seiner schwarzen Finger auf den elfenbeinernen Tasten. Sie erzählte nicht viel an diesem Morgen, nur dass sie Simona hieß.

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CC_Robijn_Kongo_125_©Maja_Bechert

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