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Auf uns gestellt

Armutsklasse, Trauma und Solidarität

Nautilus Flugschrift

Deutsche Erstausgabe

Aus dem Englischen übersetzt von Isabelle Suremann

Broschur, ca. 256 Seiten

ca. € 20,00

ISBN 978-3-96054-318-3

Erscheint im April 2023

 

Nicht lieferbar

Ein radikales Buch über das Aufwachsen in der englischen Armutsklasse, über Gerechtigkeit jenseits von staatlichem Zugriff – und über linken Aktivismus, der zum Klassenverräter wird

Im gegenwärtigen Diskurs über Klasse und Klassismus kommt das Milieu, aus dem D Hunter stammt, nicht vor. 1979 oder 1980, genau weiß er es nicht, wird Hunter in eine Familie von Irish Travellers geboren. In seiner Jugend in Nottingham bringt er sich, seine nur 13 Jahre ältere Mutter und seine drei Schwestern als minderjähriger Sexarbeiter, Drogenkurier und Dieb durch, ist Opfer und Täter von Gewalt. Mit Mitte zwanzig beginnt er in der geschlossenen Psychiatrie zu lesen und ist besonders beeindruckt von den Werken zweier anderer Eingeschlossener: Antonio Gramsci und Angela Davis.
Auf uns gestellt ist ein Buch über Traumata, Klasse und Identität, über die Gewalt des weißen Kapitalismus, über ökonomisch und sozial marginalisierte Menschen, die als überflüssig gelten. Schonungslos, hart und weit entfernt von jeder Fetischisierung der Armut schreibt Hunter über seinen Großvater, der ihn vergewaltigt, seine Freundin, mit der er ein Junkie-Leben teilt, über seinen prügelnden rassistischen Vater, seine psychisch kranke Mutter und über Freunde, deren Solidarität er erfahren hat. Er schreibt, weil er den verachtenden oder bemitleidenden Blick verändern will, mit dem Menschen wie er betrachtet werden.
Mit beeindruckender Klarheit und Glaubwürdigkeit führt D Hunter seine Erfahrungen mit einer radikalen Theorie und Praxis zusammen – für eine solidarische Community-Arbeit und eine abolitionistische Praxis von unten, die sich gegen Staat und Gefängnissystem richtet.

Autor und Übersetzerin

D Hunter, 1979 oder 1980 geboren, reflektiert in seinen Büchern »Chav Solidarity« (2018) und »Auf uns gestellt« sein Leben als Gefangener, Obdachloser, Drogenabhängiger, politischer Agitator und Organisator. Aus der Perspektive dieser Erfahrungen betrachtet er Fragen von Klassenzusammensetzung, staatlicher Gewalt, communitybasiertem Widerstand der Arbeiterklasse, Patriarchat und weißer Vorherrschaft sowie die Entwicklung klassenbewusster sozialer Bewegungen. Derzeit begleitet er Personen, die schwere zwischenmenschliche Verletzungen und Gewalt begangen haben, bei Prozessen zur Rechenschaft und Wiedergutmachung innerhalb ihrer Community. Er lebt in Manchester und promoviert zu der Frage, wie Weißsein und Männlichkeit die Solidarität der Arbeiterklasse behindern.

Isabelle Suremann, geboren 1990, hat Fachübersetzen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften studiert. Als Studentin hat sie bisher vor allem ehrenamtlich kürzere Texte für verschiedene politische Gruppierungen, insbesondere für politischen Initiativen für Menschen auf der Flucht übersetzt.

Leseprobe

Zweiundzwanzig Monate lang hatte ich Wärme und ein Dach über dem Kopf, Ruhe und Frieden. Ich dachte nie daran, dass mich jemand im Schlaf verletzen könnte. Ich lernte, andere Menschen nicht im Schlaf zu verletzten. Ich lernte aufzuwachen und mich ausgeruht zu fühlen. Ich lernte die Vorteile von mindestens einer Mahlzeit am Tag kennen. Fast zwei Jahre lang gab mir Stephen den Raum, um über die Entscheidungen nachzudenken, die ich getroffen hatte. Er war ein Arschloch, ein Wichser und ein Idiot. Er hielt sich für etwas Besseres und in vielerlei Hinsicht nutzte er eine verletzbare Person aus, aber das tat ich auch. Ich empfand ihm gegenüber selten Fürsorge oder Mitgefühl. Als ich dieses erste Mal in der Klinik kapiert hatte, was er wollte, wusste ich, wo seine Schwächen waren, und ich wusste, wie ich von ihm bekommen konnte, was ich wollte. Ich wollte Essen und ein Dach über dem Kopf und ich bekam es, weil das, was er von mir wollte, mir nichts bedeutete, und ich gab es ihm gerne. Mir war viel klarer als ihm, dass unsere Beziehung eine Transaktion zwischen zwei Parteien war. Er dachte, er könnte die Situation kontrollieren. Ich hatte schon vor langer Zeit gelernt, nicht so dumm zu sein.

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