Die Versehrten springen nicht vom Zehner

Roman

Originalveröffentlichung

Gebunden, ca. 160 Seiten

ca. € 22,00

ISBN 978-3-96054-504-0

Erscheint im September 2026

n. a.

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Niemals zurückkehren, keine Erinnerungen auffrischen! – Dem eigenen Credo zum Trotz schreibt Jochen Schimmang über vergangene Zeiten und gelegentlich auch Orte

Jochen Schimmang hat natürlich nicht wirklich Abschied von den Diskursteilnehmern genommen, wie der Titel seines Buchs von 2024 behauptet. Denn als etablierter und fast schon offizieller Chronist der bundesrepublikanischen – und der eigenen – Geschichte hat er noch »etwas von der Zeit (zu) retten, in der man nie mehr sein wird«, wie Annie Ernaux so schön sagte, und dafür muss ihm die deutsche Literatur dankbar sein.
Ob er einen Sonntag im Freibad 1955 aufleben lässt, wo Jugendliche zwischen Horst-Buchholz-Verschnitten und Kriegsversehrten im Radio das Fußballländerspiel in Moskau zwischen den »Soff-jetz« und der BRD mitverfolgen, ohne wirklich zu verstehen, was vor sich geht; ob er in einer Hommage an seinen Schriftstellerkollegen Jürgen Becker feststellen muss, dass die Nachkriegszeit niemals aufhört; ob er schildert, wie einen gänzlich unverhofft eine Sehnsucht nach Bochum überfallen kann; ob er das Leben und die Versehrungen seines eigenen Vaters (1909 bis 1987) anhand von Bewerbungen und Arbeitszeugnissen nachzeichnet; ob er sich auf die verblassenen Spuren des solitären Essayisten Christian Linder begibt oder einem Badegast bei der Heimkehr in die See folgt – immer sind seine Erzählungen feine Reminiszenzen, Reverenzen voller Referenzen.
Die geübte und geneigte Schimmang-Leserschaft weiß, dass und warum sie das Wort »Lesevergnügen« nicht benutzen sollte, daher also: »ein Genuss«.

Buchinfos

Gebunden, ca. 160 Seiten, ca. € 22,00

Autor

Jochen Schimmang © Karin Eickenberg

Jochen Schimmang © Karin Eickenberg

Jochen Schimmang (*1948) studierte Politische Wissenschaften und Philosophie an der FU Berlin und lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer in Oldenburg. 2010 erhielt er den Rheingau Literatur Preis und 2012 den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar. 2019 wurde Jochen Schimmang mit dem erstmals verliehenen Walter Kempowski Preis für biografische Literatur des Landes Niedersachsen ausgezeichnet, 2021 erhielt er den Italo-Svevo-Preis für sein Lebenswerk. Zuletzt erschien 2024 Abschied von den Diskursteilnehmern.

Leseprobe

Am Rande des großen Schwimmbeckens gibt es jetzt eine kleinere Menschenansammlung. Im Becken selbst dagegen ist kaum Betrieb. Der Bademeister schreitet den Bereich des Sprungturms mit langsamen Schritten ab. Jetzt hat ein junger Mann den Zehnmeterturm erstiegen und geht zögernd voran. Der Bademeister fordert einen einzelnen Schwimmer in diesem Bereich auf, das Wasser zu verlassen. Alle Blicke richten sich jetzt nach oben, auch dein eigener. Der junge Mann – für dich ist er einfach nur ein Erwachsener, Lichtjahre entfernt von deiner eigenen Welt, wie alle ab achtzehn, ab sechzehn sogar – in seiner schwarz-weiß gestreiften Dreiecksbadehose hat nun die Absprungkante erreicht und wartet, dass ihm der Bademeister die Freigabe zum Sprung erteilt. Du stellst dir vor, dass er für einen Moment die Augen schließt. Der junge Mann, das ist für dich selbstverständlich, gehört nicht zu den Versehrten. Die Versehrten springen nicht vom Zehner, vielleicht dürfen sie gar nicht erst hoch.

Pressestimmen

»Jochen Schimmang hat Westdeutschland erfunden. (…) Obwohl seine Bücher vom Politischen handeln, ist er kein politischer, sondern ein existenzieller Autor. Er hat eine Literatur geschaffen, die ihre jeweilige Zeit, ihren jeweiligen Ort transzendiert.« Sieglinde Geisel, Laudatio zum Italo-Svevo-Preis 2021

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Jochen Schimmang © Karin Eickenberg

Jochen Schimmang © Karin Eickenberg

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