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Von Frauen und Städten

Aus dem Englischen übersetzt von Klaudia Ruschkowski

Gebunden mit Schutzumschlag, 128 Seiten

Erschienen Februar 2006

ISBN: 978-3-89401-477-3

20,00 

Lieferzeit: Büchersendung (ca. 5 Werktage per Post)

Aus Barcelona, von der griechischen Insel Skopelos, aus Murcia, Amsterdam, Berlin, Rom und Beirut schreibt die libanesische Künstlerin und Weltbürgerin Etel Adnan. Ihre Beobachtungen über die europäischen und arabischen Städte und die in ihnen lebenden Frauen sind genau und zärtlich, mit einer besonderen Gabe, das Typische im Detail zu entdecken. Eine anregende Reiselektüre von unterwegs für unterwegs!

Etel Adnan, Libanesin im Exil, betrachtet die Städte, in die sie reist, mit den Augen einer Schriftstellerin, einer Malerin, mit den Augen eines politischen Menschen. Sie schreibt ihrem Freund, dem in Paris lebenden Journalisten Fawwaz, Briefe über ihre Eindrücke. Es sind Versuche, das Leben der Frauen in den europäischen Städten zu ergründen, das sie mit einem Leben in der arabischen Welt vergleicht. Adnan lässt sich treiben, trifft sich mit Freunden, geht den Spuren von Künstlern nach, erfährt Geschichten. Mit ihren Empfindungen und Erlebnissen gibt sie auf erstaunliche Weise Auskunft über den Charakter der Städte und die Art, in der Frauen ihr Leben gestalten. Ihre Erfahrungen des libanesischen Bürgerkriegs und des jahrzehntelangen Exils haben ihr Verständnis für die Lage der Frauen geschärft. Sie legt die Knotenpunkte für neue Stadtpläne und Karten frei, für eine veränderte Geographie der menschlichen Beziehungen.

Autorin

Etel Adnan © Felix Gruenschloss

Etel Adnan © Felix Gruenschloss

Etel Adnan, Schriftstellerin und Malerin, wurde 1925 in Beirut, Libanon, geboren. Ihre Mutter war eine christliche Griechin aus Smyrna, ihr Vater ein muslimischer Syrer. Besuch französischer
Schulen in Beirut, 1949 Studium der Philosophie in Paris, ab 1955 in den USA. Von 1958 bis 1972 unterrichtete sie Geisteswissenschaften und Philosophie in San Rafael, Kalifornien. 1972 Rückkehr nach Beirut, Feuilletonredakteurin der Zeitung Al-Safa. Zwei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs zog sie nach Paris, 1979 ging sie wieder nach Kalifornien. Heute lebt sie in Paris.
Für ihre Verdienste um die arabische Welt wurde Etel Adnan 2010 vom libanesischen Präsidenten Michel Slaiman mit dem Staatspreis ausgezeichnet.
Nachdem Etel Adnan auf der dOCUMENTA (13) 2012 einen eigenen Raum für ihre Bilder und Zeichnungen hatte, wurde ihre Kunst auch andernorts prominent ausgestellt. Am 15. Juni 2018 wird im Zentrum Paul Klee in Bern eine große Ausstellung mit Etel Adnans Werken eröffnet.

»Etel Adnan ist eine der großen Poetinnen unserer Zeit und eine wunderbare visuelle Künstlerin. Sie bildet die Brücke zwischen Poesie und Malerei.« Hans Ulrich Obrist

»Etel Adnans Neugier ist grenzenlos und ihre Lust auf das Leben ansteckend und immer wieder überraschend.« Corinna Harfouch

 

Pressestimmen

»… eine bemerkenswert sinnliche Wortwahl.«
Die Welt

»… feinsinnige, atmosphärisch dichte Beobachtungen ….«
Jazzethik 

»Essayistische Texte mit großer Weltsicht ….«
Frau & Politik, Magazin der Frauen Union der CDU Deutschlands

Leseprobe

»Irgendwann habe ich begriffen, dass es unmöglich ist, jemals vollkommen dort zu sein, wo man ist.« Etel Adnan

Ich hatte den Eindruck, dass die Frauen dieser Stadt frei sind, womit ich meine, dass sie ihren Körper und ihre Bewegungen unter Kontrolle haben. Weder anmaßend noch dominiert erwecken sie den Eindruck, dass sie im Einklang sind mit sich, dass Geist und Seele ihrem Leben angemessen sind. Vielleicht gelingt es mir, durch Vergleiche einige Ansätze der Frauenfrage zu begreifen. Was ist das Unbehagen der Frauen in den Straßen von, sagen wir, Marrakesch? In Marrakesch tragen die Frauen viel eher ihren gesellschaftlichen Status mit sich als ihre »Seele«. Sind sie arm, dann gehen sie gebeugt, versteckt, selbst wenn sie nicht verschleiert sind, so, als müssten sie ihre Existenz rechtfertigen. Reich dagegen sind sie einfach unsichtbar: in Autos oder in den Häusern.

Beirut? Aber welches Beirut? Sofort drängen sich gesellschaftliche Unterscheidungen in den Vordergrund, Einteilungen. Schon an ihrer Gelassenheit kann man »hören«, dass sie eine fremde Sprache sprechen (französisch) oder arabisch, oder dass sie reich sind, wohlhabend, arm … In Barcelona scheinen die Frauen nicht bewusst eine Rolle zu übernehmen oder einen Ausnahmezustand zu leben, wenn sie sich auf der Straße bewegen: sie sind Teil der Menschheit, eines Ortes, eines Klimas, eines Landes. Sie erinnern mich daran, dass es aufregend ist, am Leben zu sein, ein lebendiges Wesen und Teil eines bestimmten Augenblicks in Zeit und Raum, dass sich Theorien in Luft auflösen, wenn sie Erfahrungen gegenüberstehen.

Aber ich suchte und suche noch die Antwort auf meine Frage, während ich durch Barcelonas Straßen ging. Das Frauen-»Problem«? Was heißt das? Wie wird es erfahren?

Selbstverständlich ist es ein Problem der Freiheit. Es ist persönlich. Es ist sozial. Ein verborgenes Problem und ein Problem der Gesellschaft.

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